Ein Jugendlicher mit verträumten blauen Augen ist Nino Kuhn, und auf den ersten Blick würde man ihm nicht zutrauen, dass er im Kart aus dem Windschatten Gegner angreift, sie mit Berührung nervös macht, wie er sagt, um dann knallhart an ihnen vorbeizuziehen. „Man muss schon kämpfen, sonst wird das nichts mit dem Sieg“, sagt er. Aber auch Disziplin ist wichtig: kein Alkohol, kein Nikotin, viel Schlaf. Er vermisst nichts und neben Schule und Motorsport bleibt sogar noch ein bisschen Zeit fürs Mountainbiking und dazu, Hip-Hop-Musik zu hören. Zudem trifft sich’s gut, dass Freundin Lisa auch vom Kartsport kommt und viel Verständnis hat. Ninos Jugendzimmer quillt über vor Pokalen. Sie belegen mittlerweile auch das Wohnzimmer der Familie.
Rennfieber Das Kartfieber hat Nino schon früh gepackt. „Komm doch mal mit zum Training“, sagte Klassenkamerad Pascal Roth einst. Beim MSC Kochersteinsfeld hat er vor fünf Jahren seine ersten Erfolge gehabt – und seinen Vater mit dem Rennfieber infiziert. „Ich bin Manager und Mechaniker in einem“, sagt Harald Kuhn, denn seit Nino vor zwei Jahren in den Rundstrecken- Rennkartsport eingestiegen ist, ist es mit Elternfahrdiensten nicht mehr getan. Inzwischen kostet der Sport viel Zeit und Geld: das Kart, ein Transportfahrzeug, Ersatzteile. „Man müsste eigentlich Sponsoren suchen“, sagt Harald Kuhn.
Der erste Sponsor war der Großvater, der hat den gebrauchten Transporter finanziert. Bei den Rennen kann das „Team Kuhn“ beim Werksteam der Firma Hetschel aus Brackenheim unterschlüpfen, von der Ninos Kart Marke „Mach 1“ stammt.
„Letzte Weihnachten habe ich mir einen persönlichen Trainer gewünscht, der hat mir dann einen Ernährungs- und einen Trainingsplan zusammengestellt. Das hat mir viel gebracht“, erzählt Nino. „Es macht ihm Spaß, aber es ist kein Spaß mehr“, sagt seine Mutter. Obwohl sie hinter dem Sport ihres Sohnes steht, fährt sie nur noch selten zu den Rennen mit. Es macht sie zu nervös. 120 bis 130 Stundenkilometer schnell werden die Karts, und dabei fliegt schon mal der eine oder andere aus der Bahn. Auch Nino ist das schon passiert. Das gehöre dazu, sagt er, ernsthaft verletzt hat er sich noch nie. Und Angst habe er nicht.
Trainingsfrei Elf Rennen, für die er sich die Lizenz in speziellen Kart-Camps erworben hat, ist er in diesem Jahr bereits gefahren. An diesem Wochenende steht das Meisterschafts-Finalrennen des Deutschen Motorsportverbandes in Kerpen an. Nino hat von seiner Schule, dem Albert-Schweizer-Gymnasium in Neckarsulm, für das Training am Freitag frei bekommen.
In Kerpen will er gewinnen, das steht fest, denn dort hat schließlich auch Michael Schumacher, das große Idol des Neuenstädters, die ersten Siege gefeiert.